Nach vielen Vorbereitungen war es endlich soweit und der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Bad Holzhausen Volker Oestreich konnte neben den Genossinnen und Genossen aus dem Ortsverein und den Vertretern der Stadt- und Gemeindeverbände des Altkreises die ehemaligen Bundes- und Landtagsabgeordneten, Vertreter der Vereinsgemeinschaft, Pastor Bäcker und natürlich die Presse begrüßen. Besonders begrüßte er die Teilnehmer der Diskussionsrunde: den Landtagsabgeordneten Ernst-Wilhelm Rahe, den Vorsitzenden des SPD-Kreisverbandes Michael Buhre und den Juso-Vorsitzenden OWL Micha Heitkamp. Der Ehrengast des Tages und Festredner Franz Müntefering kam bedingt durch die Unwägbarkeiten des Bahnverkehrs verspätet an und wurde später gesondert begrüßt.

Den Rückblick auf 90 Jahre Sozialdemokraten in Bad Holzhausen begann Marlotte Oestreich mit den Worten „90 Jahre sind eine lange Zeit – eine Zeit in der viel Gutes, viel Undemokratisches, viel Bewegendes und viel Soziales geschehen ist. Vieles, das wir schon vergessen haben, vieles was wir gerne ungeschehen machen würden, vieles, was unsere Erinnerung für immer prägen wird“

Link auf den Rückblick.

Inzwischen war auch Franz Müntefering, den die Genossen Martin Oberdiek und Helmut Recker vom Bünder Bahnhof abgeholt hatten, eingetroffen.

Er erinnerte daran, dass er schon vor 15 Jahren bei der 75-Jahr-Feier die Festrede gehalten hat und meinte in seiner lockeren Art „ich will mich ja nicht aufdrängen, aber wenn ihr 100 werdet bin ich dabei“. Das Hauptaugenmerk seiner Rede lag in den sozialdemokratischen Werten Freiheit (als Sache des Einzelnen), Gerechtigkeit (als Sache des Staates) und Solidarität (als Sache der Gesellschaft). Große Sorge bereite ihm die wachsende Verrohung der Sprache und politischen Debatte. Man müsse miteinander reden und dabei den anderen respektieren. Er wandte sich gegen eine Politik, die keine andere Antwort auf die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer wisse, als die Fliehenden in Afrika festzusetzen. Mit markigen Worten wandte er sich auch gegen den Finanzkapitalismus und die Folgen der Globalisierung.

Im Anschluss daran fand unter Moderation von Michael Buhre eine spannende Gesprächsrunde mit Franz Müntefering, Ernst-Wilhelm Rahe und Micha Heitkamp zum Thema „Werte im Wandel“ statt. Dabei waren sich alle einig, dass die sozialdemokratischen Werte Freiheit, Gleichheit und Solidarität sowie Frieden nach wie vor hoch aktuell sind. Fazit dieser Gesprächsrunde: Der oft beschriebene Generationenkonflikt ist nicht das wahre Problem. Die Kluft wird nicht zwischen den Generationen sein, sondern zwischen denen, die Bildungschancen und Reichtum haben, und denen, die das nicht haben. Es gibt vernünftige Alte und vernünftige Junge. Münteferings Fazit: „Die Vernünftigen müssen sich unterhaken und dafür sorgen, dass die Bekloppten nicht an die Macht kommen“

Mit einem kleinen Imbiss ging diese Feierstunde zu Ende und man war sich einig, dass es eine sehr gelungene Veranstaltung war.